Nina Rabuza Antisemitismus. Ideologie, Erscheinungsformen und Funktion
Vortrag und Diskussion
Judenfeindliche Graffiti an Hauswänden, Schändungen jüdischer Friedhöfe, Angriffe auf Synagogen, Beleidigungen, körperliche Gewalt bis hin zum bewaffneten Terroranschlag wie am 9. Oktober 2019 in Halle: Antisemitismus ist Teil des deutschen Alltags. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ist der Judenhass nicht weniger geworden. Ganz im Gegenteil, antisemitische Vorfälle haben in Deutschland enorm zugenommen. Die Erscheinungsformen des Antisemitismus sind vielfältig. Er manifestiert sich als offener Hass auf Jüdinnen und Juden, aber auch in subtileren Formen wie in Karikaturen mit antijüdischen Klischees, als Element von Verschwörungstheorien oder als „Israelkritik". Ob eine Äußerung oder eine Darstellung antisemitisch ist, ist häufig umstritten, insbesondere dann, wenn sie von Menschen stammen, die nicht der rechten oder neonazistischen Szene angehören. Antisemitische Einstellungen sind aber nicht nur ein Phänomen in der politischen Rechten, sondern finden sich in einem breiten politischen Spektrum und in allen gesellschaftlichen Schichten. Antisemitismus ist mehr als ein Vorurteil. Er dient als Welterklärungsmodell, das die Jüdinnen und Juden für gesellschaftliche Probleme und politische Konflikte verantwortlich macht. In dem Einführungsvortrag werden aktuelle und historische Erscheinungsformen des Antisemitismus thematisiert und diskutiert, welche gesellschaftliche Funktion der Antisemitismus in der Moderne einnimmt.
Nina Rabuza forscht zu Kritischer Theorie, dem gesellschaftlichen Umgang mit dem Nationalsozialismus und zu Antisemitismus. 2023 ist ihr Buch Verräumlichte Erinnerung. Die Grenzen der Darstellung nationalsozialistischer Gewalt am Modell der KZ-Gedenkstätte Dachau erschienen.